12. Februar 20243 Comments

Slowflower-Kranz im Februar

Als wir unseren ersten SLOWFLOWERLETTER gestaltet haben, war sofort klar: Es braucht aktuelle, saisonale floristische Techniken und Ideen, die unsere Slowflowers zelebrieren und auch zeigen, was es für eine bunte Vielfalt an Möglichkeiten gibt. Etwas später war eine eigene Kategorie geschaffen: die Slowflowerwerkstatt. Doch für unseren Newsletter sprengte sie den Rahmen: 

Ein ganzer Blog durfte also her, der neben der #slowflowerwerkstatt noch viele weitere Themen behandelt, die in ihrer Kurzform durch unsere Newsletter wachsen.

Gerade kurz vor Valentinstag fluten Rosen, Tulpen, Anemonen und viele andere verlockende Blüten unsere sozialen Kanäle. Exoten, chemisch gebleichte und gefärbte Trockenblumen, mit Sprühfarbe und Glitzer verschönert. Wunderbare Gestaltungen auf Instagram wecken die Frühlingsgefühle. Doch saisonal oder naturhaft sind sie nicht.

Auch wenn die Idee des Frühlings uns animiert, uns Farbe in unser Zuhause zu holen, sieht es in der Natur in Wirklichkeit gerade anders aus. In unseren Gärten und Farmen spitzen die Geophyten, also Pflanzen, die mit Hilfe von Speicherorganen den Winter überdauern, gerade so aus der Erde: Erste Schneeglöckchen, Märzenbecher und Traubenhyzinten schälen sich vereinzelt aus abgefallenem Laub. Wer Gewächshäuser besitzt, hat vielleicht schon ein paar Zentimeter mehr Grün und manch Feld schmückt hier und da eine erste Anemone.

In den Gärten herrscht ansonsten noch Ruhe, zumindest fast.

Photo: Sebastian Conrad @hautejardin

Genau jetzt, wenn es bereits unter den Fingern kribbelt und unsere Gemüter sich nach frischen Blumen, Farbe und Frühling sehnen, gibt es ganz besondere, oft unterschätzte Schätze: Die Lenzrose steht ihrer Namensschwester in Schönheit und Sortenvielfalt in nichts nach und ist eine der ersten Nektar- und Pollenquellen für Insekten. 

Ihre Vielfalt lässt sich auch in der Floristik spiegeln und so haben wir für euch etwas Besonderes: Wir tauchen in den saisonalen Luxus und lassen uns auf das ein, was im Frühjahr tatsächlich als erstes in unseren Gärten steht. Helleborus sp. in all ihrer Pracht. Bevor wir aber mit dem Kranz loslegen, braucht es ein paar dieser Prachtexemplare.

„Aber eignen sie sich überhaupt zum Schnitt?”

Mit ganz einfachen floristischen Ticks, sind sie eine Schau, ob einzeln in der Vase oder in einem üppigen Blütenkranz, wie aus der #slowflowerwerkstatt. So halten sie besonders lang:

  • Trick 01 — Hellebori direkt nach dem Schnitt zur Ernte in einen vollen Eimer Wasser geben. Dadurch, dass sie durch ihre Zellmembran an jeder Stelle Wasser aufnehmen können, saugen sie sich voll. Lass sie ruhig einige Stunden im Wasser.
  • Trick 02 — Ernte die Hellebori, die schon mehrere offene Blüten an einem Stil tragen oder welche, die bereits bestäubt wurden, denn sie halten von Haus aus besser. Das lässt sich daran erkennen, dass die Staubgefäße, bei älteren Exemplare, breit ausgefächert in den Blüten stehen, oder schon ganz herabgefallen sind (Bild Mittelalte / Alte Blüte) . Nach einer Bestäubung verändert sich sich die Blütenfarbe und sie fühlen sich ledrig an. Für junge Blüten  (Bild Junge Blüte) schau gerne auf den nächsten Trick.
Junge Blüte
Mittelalte Blüte
Alte Blüte
  • Trick 03 — Schneide die Hellebori mit einer scharfen Schere oder einem Messer etwa im 45 Grad Winkel an. Halte die Enden für max. zehn Sekunden in einmal aufgekochtes Wasser. Da Hellebori stark respirieren, ziehen sie nach dem Ernten oftmals Luft. Diese blockiert die Leitungsbahnen und lässt sie schlappen.

Nachdem du sie versorgt hast, geht es an die Gestaltung:

Andrea von @naturalgarten hat uns einen Kranz mit ihren besonderen Gartenschätzen gestaltet. Die technische Idee stammt von Catrin Seidl @blyh. Vielen Dank euch beiden!

Für einen Blütenkranz brauchst du:

  • Etwa 25 Helleborusblüten
  • Eine Handvoll Orchideenröhrchen
  • Etwas Juteschnur
  • Einen Metall- oder Holzring (Durchmesser 20cm oder 25cm )
  • Eine Handvoll frischer Äste deiner Wahl — besonders geeignet sind weiche Gehölze wie Birken, Erlen oder Haseln. Alternativ kannst du auch Ranken, wie Clematis oder Knöterich, dafür nutzen.

Und so geht’s:

01

Auf einem Metall- oder Holzring werden mit Wasser gefüllte Orchichdeenröhrchen mit Jute aufgebunden.

02

Nach und nach werden Äste und Zweige, bei Wunsch auch Grün, dazwischen gewunden.

03

Neue Röhrchen nach und nach hinzufügen.

04

Zuletzt die Röhrchen mit Helleborus füllen und gegebenenfalls nochmal Wasser nachfüllen.

Wissenswert: Mit Spritzfaschen, die oft in Laboren zum Einsatz kommen und gebogene Spritzaufsätze haben, lassen sich die Röhrchen optimal in ihrer endgültigen Position mit Wasser auffüllen: Entweder nach dem Winden oder um Wasser nach ein bis zwei Tagen aufzufüllen.

Andrea hat in ihrer Kranzinterpretation noch Lavendel als saisonales Grün mit hineingebunden.

Alternativ eignen sich auch Kranzspiere, zarte Efeuranken oder Blätter der Elfenblume (Epimedium sp.). Lass deiner Kreativität gerne freien Lauf!

Der Blütenkranz steht an einem vor Regen und Wind geschützten Ort.

Willst du deinen Blütenkranz bei dir in den eigenen vier Wänden bestaunen, dann sprüh die Helleboren regelmäßig mit einer Pflanzensprühflasche an, um die Blüten vor der trockenen Wohnraumluft zu schützen und dich lange an ihrer Pracht zu erfreuen.

Hast du Lust, dir die ersten Frühjahrsschätze in den Garten zu holen, dann schau gerne hier (in diesem Blogeintrag) vorbei! Dort klärt Expertin Miriam Sablowski, wie man Helleborus sp. anbaut, was es für fantastische Sorten zur Auswahl gibt und warum sie Christrose, Lenzrose oder Nießwurz heißen.

Wir wünschen dir ganz viel Spaß beim Nachgestalten. Wenn du Lust hast, dann zeig uns deine Kreation und verlinke sie gerne auf den sozialen Medien mit #slowflowerwerkstattwerke. Verlinke gerne auch unseren Account @slowflowerbewegung. Frohes Schaffen!

Folgende Sorten findest du übrigens in diesem #slowflowerwerkstatt-Kranz: Aus der Reihe ICE N´ROSES© in Sorten „EARLY ROSE” / „ROSE” / „FROSTED ROSE”, sowie Helleborus „Chamelot”. 


Text: Sebastian Conrad @hautejardin. Danke, dass du dein Wissen mit uns teilst!

12. Februar 20242 Comments

Hello Helleborus!

Verheißungsvoll erwachen Hellebori als eine der ersten Schnittblumen im Jahr aus dem Winterschlaf und öffnen ihr wunderbar vielfältiges Blütenkleid. Hier schreibt Landschaftsarchitektin und Farmerfloristin Miriam Sablowski, wie ihr sie in eure Gärten holt!

Ihr bekommt von ihr einen Überblick über

  • die verschiedenen Arten,
  • Tipps zum Anbau und Pflege,
  • ein paar Bezugsquellen für Pflanzen und natürlich
  • eine passende Buchempfehlung!
Photo: Janine Piontek @janinepiontekfotografie

Keiner kann sich nach der langen Winterruhe dem Zauber dieser kleinen Blühern entziehen! Diese wunderbare Stimmung erwachender Blüten fing Fotografin Janine Piontek @janinepiontekfotografie im Rahmen des neuen Buchprojektes für die Farmerfloristen von Gabel & Spaten @gabelundspaten ein.

Heimliches Knistern und Flüstern... Auch Miriam Sablowski @rooftop.lavendelfarm geht in ihrer Biogärtnerei am Wald voller Vorfreude auf Entdeckungstour, was wohl im Schatten der Zaubernüss- Sträucher (Hamamelis) neben Schneeglöckchen und Winterlingen so alles in die Spätwintersonne blinzelt:

Photo: Janine Piontek @janinepiontekfotografie

Noch im alten Jahr, bereits ab November und Dezember, blüht in eisiger Kälte ein kleiner Schatz: die heimische, reinweiße Christrose Helleborus niger mit nur 15-25 cm Höhe. Die Heilkraft ihres Wurzelstocks wird in der traditionellen Medizin, sowie der Homöopathie hoch geschätzt.

Eine etwas kurzstielige, aber wunderbare reinweiße Winterblüte für eure kleinen Wintersträuße!

Kurz danach, bereits ab Mitte Januar, entfaltet die heimische Wildform Helleborus foetidus ihre elfenbein- hellgrünfarbenen Blütenstände mit violetten Rändern im sonst noch ruhenden, winterlichen Garten. Sie stehen über kräftigen, dunkel-blaugrün schillernden Blättern. Der Name Stinkende Nieswurz bezieht sich übrigens nur auf die Blätter, die beim Zerreiben etwas riechen. Dem auf 40 cm stolz emporgereckten Blütenstand mit seinen nickenden kleinen Glocken wird dieser Name nicht gerecht: schon wegen ihrer auch floristisch interessanten immergrünen Blättern gibt es von mir eine unbedingte Pflanzempfehlung für Helleborus foetidus.

Eine der frühesten Schnittblumen der Slowflowersaison!

In den letzten Jahren sind durch Kreuzungen von Helleborus niger mit anderen Helleborus-Arten, wie z.B. der Helleborus orientalis, zahlreiche Hybriden entstanden. Sie zeigen ein unglaubliches züchterisches Farb- und Formenspektrum und sind unter dem Begriff Lenzrosen zusammengefasst. Grün, weiß, rosé und rot, durchaus auch gepunktet oder sogar gefüllt stehen die meist verzweigten Blütenstände lange bis in den April zierend auf der Pflanze.

Wer erst einmal Bekanntschaft mit diesen kraftstrotzenden und doch zarten Blütenwundern gemacht hat, kann einer regelrechten Sammelleidenschaft verfallen (einige Bezugsquellen unten)!

Lenzrosen sind Kund*innenlieblinge!

Alle Helleborus-Arten bevorzugen tiefgründig durchlässige, humose Böden. Mit ordentlich viel Laubmulch könnt ihr die Bodenfeuchtigkeit verbessern und sie vetragen so auch trockene Sommer. Pflanzt sie, ihrem natürlichen Standort entsprechend, im schattigen Waldgarten oder unter Laubsträucher. Die fleischigen Wurzeln ragen bis zu 60 cm tief, der Boden darf daher nicht verdichtet sein.

Helleborus lieben neutrale bis alkalische Böden, gerne mit Muschelkalk, Eierschalen, Bentonit o.ä. bestreuen. Wenn ihr ihre Blüten stehen lasst, könnt ihr sie gut durch Selbstaussaat vermehren, wegen der Sämlinge also vorsichtig jäten. Ich dünge meine Helleborus gar nicht, aber für extra Blütenpower düngt sie optimalerweise zweimal im Jahr. Dazu nehmt ihr etwas Hornspäne oder abgelagerten Pferdemist. Der beste Zeitpunkt dafür ist, wenn die Helleborus im Januar und Februar neue Blüten und Blätter treiben. Zusätzlich könnt ihr im frühen Herbst ab September z.B. mit nachhaltiger Brennesseljauche düngen, wenn das neue Wurzelwachstum beginnt.

Mit ein paar Tricks werden die frühen Schönheiten zu guten Schnittblumen, die euch auch in der Vase begeistern können. Was dabei beachtet werden muss und wie ihr Helleborus bestmöglich verarbeitet, könnt ihr in unserer #slowflowerwerkstatt im Beitrag "Slowflower-Kranz im Februar" nachlesen!

Helleborus Hybriden mit Saat. photo: Sebastian Conrad – H A U T J A R D I N @hautejardin

Da alle Hellebori nur bei kühlen Nachttemperaturen neue Wurzeln bilden, pflanzt ihr sie vorzugsweise noch bis April.
Einige Staudengärtnereien zum Bezug von Helleborus kann ich euch hier wegen deren langjähriger Kultur von Stauden unbedingt empfehlen:

Peter Janke 'Hortvs Gartenkonzepte' und Staudengärtnerei in 40724 Hilden im Rheinland: Hellebori in allen Wildarten und die berühmte Sammlung der englischen Helleboruszüchterin Helen Ballard.
Kein Versand, aber der meisterhaft geplante Garten steht für Besichtigungen offen.
Mit Staudenverkauf vor Ort.

Christian Kress 'Sarastro-Stauden' in 4974 Ort im Innkreis in Österreich bei Passau. Seit nunmehr fast dreißig Jahren begeistert nicht nur der Sarastro-Schaugarten mit seltene Sorten der winterharten Stauden, ihr könnt sie dort auch erwerben.
Mit Onlineshop.

Susanne Peters Staudengärtnerei 'Allerlei Seltenes' in 25436 Uetersen bei Hamburg. Die Firma hieß früher 'Alpine Stauden Peters' und kultiviert schon seit Jahrzehnten mit Leidenschaft Helleborus.
Mit Onlineshop.

Quintessa Snow
Quintessa Ruby
Quintessa Painted
Quintessa Pink
Quintessa Rose
Quintessa Pink 2
Quintessa Ice
Quintessa Midnight
Quintessa Coral
Quintessa Candy
Helleborus Kultivar "Vilbey Velvet"
Quintessa Candy 2

Wenn ihr einen Einblick in die unglaubliche Vielfalt der Helleborusblüten bekommen möchtet, kann ich euch ein Coffeetable-Book mit herausragenden Fotografien empfehlen. Es handelt vom Werk der englischen Gärtnerin und Helleboruszüchterin Helen Ballard (1908-1995).
Helen Ballard. The Hellebore Queen. Edition Art and Nature. Köln 1997. 124 Seiten mit zahlreichen Farbfotos von Josh Westrich. Preis circa 65,- Euro.

Happy planting! Und schaut euch doch mal um, ob eure lokalen Slowflowerbewegungs-Mitglieder schon Helleboren im saisonalen Schnittblumenstrauß haben!


Text: Miriam Sablowski @rooftop.lavendelfarm. Danke Miriam, dass du dein Wissen mit uns teilst!

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