Verheißungsvoll erwachen Hellebori als eine der ersten Schnittblumen im Jahr aus dem Winterschlaf und öffnen ihr wunderbar vielfältiges Blütenkleid. Hier schreibt Landschaftsarchitektin und Farmerfloristin Miriam Sablowski, wie ihr sie in eure Gärten holt!

Ihr bekommt von ihr einen Überblick über

  • die verschiedenen Arten,
  • Tipps zum Anbau und Pflege,
  • ein paar Bezugsquellen für Pflanzen und natürlich
  • eine passende Buchempfehlung!
Photo: Janine Piontek @janinepiontekfotografie

Keiner kann sich nach der langen Winterruhe dem Zauber dieser kleinen Blühern entziehen! Diese wunderbare Stimmung erwachender Blüten fing Fotografin Janine Piontek @janinepiontekfotografie im Rahmen des neuen Buchprojektes für die Farmerfloristen von Gabel & Spaten @gabelundspaten ein.

Heimliches Knistern und Flüstern... Auch Miriam Sablowski @rooftop.lavendelfarm geht in ihrer Biogärtnerei am Wald voller Vorfreude auf Entdeckungstour, was wohl im Schatten der Zaubernüss- Sträucher (Hamamelis) neben Schneeglöckchen und Winterlingen so alles in die Spätwintersonne blinzelt:

Photo: Janine Piontek @janinepiontekfotografie

Noch im alten Jahr, bereits ab November und Dezember, blüht in eisiger Kälte ein kleiner Schatz: die heimische, reinweiße Christrose Helleborus niger mit nur 15-25 cm Höhe. Die Heilkraft ihres Wurzelstocks wird in der traditionellen Medizin, sowie der Homöopathie hoch geschätzt.

Eine etwas kurzstielige, aber wunderbare reinweiße Winterblüte für eure kleinen Wintersträuße!

Kurz danach, bereits ab Mitte Januar, entfaltet die heimische Wildform Helleborus foetidus ihre elfenbein- hellgrünfarbenen Blütenstände mit violetten Rändern im sonst noch ruhenden, winterlichen Garten. Sie stehen über kräftigen, dunkel-blaugrün schillernden Blättern. Der Name Stinkende Nieswurz bezieht sich übrigens nur auf die Blätter, die beim Zerreiben etwas riechen. Dem auf 40 cm stolz emporgereckten Blütenstand mit seinen nickenden kleinen Glocken wird dieser Name nicht gerecht: schon wegen ihrer auch floristisch interessanten immergrünen Blättern gibt es von mir eine unbedingte Pflanzempfehlung für Helleborus foetidus.

Eine der frühesten Schnittblumen der Slowflowersaison!

In den letzten Jahren sind durch Kreuzungen von Helleborus niger mit anderen Helleborus-Arten, wie z.B. der Helleborus orientalis, zahlreiche Hybriden entstanden. Sie zeigen ein unglaubliches züchterisches Farb- und Formenspektrum und sind unter dem Begriff Lenzrosen zusammengefasst. Grün, weiß, rosé und rot, durchaus auch gepunktet oder sogar gefüllt stehen die meist verzweigten Blütenstände lange bis in den April zierend auf der Pflanze.

Wer erst einmal Bekanntschaft mit diesen kraftstrotzenden und doch zarten Blütenwundern gemacht hat, kann einer regelrechten Sammelleidenschaft verfallen (einige Bezugsquellen unten)!

Lenzrosen sind Kund*innenlieblinge!

Alle Helleborus-Arten bevorzugen tiefgründig durchlässige, humose Böden. Mit ordentlich viel Laubmulch könnt ihr die Bodenfeuchtigkeit verbessern und sie vetragen so auch trockene Sommer. Pflanzt sie, ihrem natürlichen Standort entsprechend, im schattigen Waldgarten oder unter Laubsträucher. Die fleischigen Wurzeln ragen bis zu 60 cm tief, der Boden darf daher nicht verdichtet sein.

Helleborus lieben neutrale bis alkalische Böden, gerne mit Muschelkalk, Eierschalen, Bentonit o.ä. bestreuen. Wenn ihr ihre Blüten stehen lasst, könnt ihr sie gut durch Selbstaussaat vermehren, wegen der Sämlinge also vorsichtig jäten. Ich dünge meine Helleborus gar nicht, aber für extra Blütenpower düngt sie optimalerweise zweimal im Jahr. Dazu nehmt ihr etwas Hornspäne oder abgelagerten Pferdemist. Der beste Zeitpunkt dafür ist, wenn die Helleborus im Januar und Februar neue Blüten und Blätter treiben. Zusätzlich könnt ihr im frühen Herbst ab September z.B. mit nachhaltiger Brennesseljauche düngen, wenn das neue Wurzelwachstum beginnt.

Mit ein paar Tricks werden die frühen Schönheiten zu guten Schnittblumen, die euch auch in der Vase begeistern können. Was dabei beachtet werden muss und wie ihr Helleborus bestmöglich verarbeitet, könnt ihr in unserer #slowflowerwerkstatt im Beitrag "Slowflower-Kranz im Februar" nachlesen!

Helleborus Hybriden mit Saat. photo: Sebastian Conrad – H A U T J A R D I N @hautejardin

Da alle Hellebori nur bei kühlen Nachttemperaturen neue Wurzeln bilden, pflanzt ihr sie vorzugsweise noch bis April.
Einige Staudengärtnereien zum Bezug von Helleborus kann ich euch hier wegen deren langjähriger Kultur von Stauden unbedingt empfehlen:

Peter Janke 'Hortvs Gartenkonzepte' und Staudengärtnerei in 40724 Hilden im Rheinland: Hellebori in allen Wildarten und die berühmte Sammlung der englischen Helleboruszüchterin Helen Ballard.
Kein Versand, aber der meisterhaft geplante Garten steht für Besichtigungen offen.
Mit Staudenverkauf vor Ort.

Christian Kress 'Sarastro-Stauden' in 4974 Ort im Innkreis in Österreich bei Passau. Seit nunmehr fast dreißig Jahren begeistert nicht nur der Sarastro-Schaugarten mit seltene Sorten der winterharten Stauden, ihr könnt sie dort auch erwerben.
Mit Onlineshop.

Susanne Peters Staudengärtnerei 'Allerlei Seltenes' in 25436 Uetersen bei Hamburg. Die Firma hieß früher 'Alpine Stauden Peters' und kultiviert schon seit Jahrzehnten mit Leidenschaft Helleborus.
Mit Onlineshop.

Quintessa Snow
Quintessa Ruby
Quintessa Painted
Quintessa Pink
Quintessa Rose
Quintessa Pink 2
Quintessa Ice
Quintessa Midnight
Quintessa Coral
Quintessa Candy
Helleborus Kultivar "Vilbey Velvet"
Quintessa Candy 2

Wenn ihr einen Einblick in die unglaubliche Vielfalt der Helleborusblüten bekommen möchtet, kann ich euch ein Coffeetable-Book mit herausragenden Fotografien empfehlen. Es handelt vom Werk der englischen Gärtnerin und Helleboruszüchterin Helen Ballard (1908-1995).
Helen Ballard. The Hellebore Queen. Edition Art and Nature. Köln 1997. 124 Seiten mit zahlreichen Farbfotos von Josh Westrich. Preis circa 65,- Euro.

Happy planting! Und schaut euch doch mal um, ob eure lokalen Slowflowerbewegungs-Mitglieder schon Helleboren im saisonalen Schnittblumenstrauß haben!


Text: Miriam Sablowski @rooftop.lavendelfarm. Danke Miriam, dass du dein Wissen mit uns teilst!