Warum braucht es die Slowflower-Bewegung? Klar, irgendwie brauchen wir mehr Nachhaltigkeit bei der Arbeit mit Blumen. Aber warum gibt es uns als Verein? Warum baut nicht jeder für sich seine eigenen nachhaltigen Blumen an und belässt es dabei?
Weil uns die Gemeinschaft Kraft und Inspiration und Motivation gibt, Dinge anders zu machen, nachhaltige Alternativen zu finden, blumige Schönheiten ohne all die Umweltbelastungen anzubauen!
Dafür gibt es im Verein ganz viele Möglichkeiten, aber die bewegendste von allen ist unser jährliches Herbsttreffen. In diesem Beitrag tauchen wir mit euch tief ein in unser Zusammenkommen 2025 mit Workshops, Zukunftsentscheidungen und Wärme - seid ihr bereit?

Zu Gast durften wir dieses Jahr im wundervollen Schloss Neuenhof in Lüdenscheid sein, in welches schon unsere Slowflower Residency die Slowflower-Magie bringen durfte! Vielen Dank für das herzliche Willkommen und eure Gastfreundschaft!
Einzelne Mitglieder haben für euch einige unserer Programmpunkte Revue passieren lassen und beschreiben ihre Perspektive. So ergeben sich wunderbare kleine Artikel, die ihr nachfolgend durch einen Klick auf den jeweiligen Punkt ausklappen könnt. Viel Freude beim Lesen!
Unsere Installation oder Zusammen Wachsen
Eimerwiese Blumen wälzen sich aus den ersten Autos, die beim Herbstreffen kommen und Stück für Stück füllt sich der Heuboden mit saisonalen Schönheiten.
Jedes Mitglied bringt meistens, nicht nur sich selbst, sondern auch Blumen und besondere Werkstoffe mit. Warum, ist ganz klar: Eine riesige blumige Installation.
Beim ersten Herbsttreffen ins Leben gerufen, ist sie eine jährliche Traditon, die nicht nur hübsch aussieht, sondern uns als Schnittblumenliebende ins Gespräch und den Austausch bring.
Dieses Jahr stand die Installation unter dem Motto “ Zusammen wachsen”.

Faszinierend dabei ist die Entstehungsweise: Ohne Anleitung und mit ganz viel Freiheit wird hier nach Gefühl gestaltet. Zur Verfügung steht der Herbst in all seiner unbändigen Fülle: Dahlien über Dahlien, zu Spargelkraut, Amaranth, getrockneten Silberblättern hin zu Chrysanthemen, Astern und …. Aus gemeinsamer Arbeit entstehen Gespräche, Begegnungen mit anderen Mitgliedern, die man selbst vorher noch nicht kannte. Austausch auf schönste Weise.
Mit nach Hause genommen wird natürlich das, was mitgebracht wurde — nur vielleicht in anderer Form. Ob als Kranz gewunden oder als Strauß gebunden, ob vielleicht Blüten, die man selbst nicht auf den Feldern und in den Gärten hat, oder als neues Werkstück. Am Ende sieht man wieder wie sich die Eimer voller Schönheit in die Autos ducken.


Mitgliederversammlung
Mitgliederversammlung klingt erst einmal nach drögen Texten und langatmigen Vorträgen, aber beim genaueren Hinschauen ist da doch viel Leben drin! Nach ein paar bürokratischen Vorgängen, der Entlastung des Vorstands, Kassenbericht usw. geht es ganz schnell an richtig spannende Abstimmungen.
Dabei sitzen alle Mitglieder beisammen, die Ordentlichen Mitglieder halten ihre Stimmkarten in der Hand und Thema für Thema wird bearbeitet. Ob eine neue Satzung oder neue Mitgliedsformen - die vorbereiteten Ideen werden vorgestellt und auch mal breit diskutiert. Am Ende lautet die Frage in jedem Fall: Wer ist dafür? Wer stimmt dagegen? Wer enthält sich? Die Stimmenzählerinnen machen sich an die Arbeit und schnell steht das Ergebnis fest.
Viele hier eingebrachte Ideen wurden lange in AGs oder von Mitgliedern vorbereitet. Sie zeigen, in welche Richtung wir uns als Verein in den nächsten Jahren gemeinsam bewegen wollen, welche Schritte wir gehen wollen und wo vielleicht auch ein anderer Weg eingeschlagen werden darf.
Am Ende bleibt für uns dieses Mal unter anderem eine neue Satzung mit überarbeiteten Leitlinien, die wir euch gerne demnächst vorstellen und auf der Webseite verlinken!

Trauer Talk - nachhaltige Abschiedsblumen
Der nächste Programmpunkt war eine offene Gesprächsrunde mit der Arbeitsgruppe „Trauer Flower“. Die Gruppe ging aus der AG „Plastikfreie Stadt“ hervor und legt einen besonderen Schwerpunkt auf Bestattungen. Während es im Alltag bereits viele plastikfreie Alternativen gibt und die Nachfrage danach mit dem Bewusstsein in der Bevölkerung steigt, fehlt es gerade beim Abschied von einem geliebten Menschen noch an Wissen zu plastikfreien bzw. nachhaltigen Optionen bei der Bestattung, erläuterte Christin Ziebarth von @karmabouquet zum Einstieg.

Wie Abschiedsblumen oder Trauerfloristik im Sinne der Slowflowerbewegung aussehen können, stellten die Mitglieder der AG im Gespräch vor. So bietet Anne Hartmann @krautundbluete Flower Panels als Urnenschmuck an, die sie z.B. aus einer Baumscheibe und einem mit Hasendraht bespannten Stickrahmen baut und anschließend mit Trockenblumen individuell gestaltet. Dieses Panel wird dann nicht mitbestattet, sondern die Hinterbliebenen können es als Erinnerungsstück an die verstorbene Person aufbewahren. Wie Anne so ein Panel baut und wie es gestaltet werden kann, zeigte sie uns dann am Sonntagnachmittag ganz praktisch in einem Workshop.
Caroline Wolf @urwuechsig_caroline.wolf zeigte ein Gesteck, das nur aus kompostierbaren Materialien bestand, mit einer Basis aus Moos und daher mit dem Sarg ins Grab hinuntergelassen werden kann. Sie bietet den trauernden Angehörigen an, den Sargschmuck oder die Abschiedsblumen gemeinsam zu gestalten, zum Beispiel mit Materialien aus dem Garten oder von einem Obstbaumstück, das der verstorbenen Person gehörte oder ihr besonders am Herzen lag. So können die Hinterbliebenen bereits Trauerarbeit leisten und schaffen einen ganz besonderen, würdigen Abschied von der geliebten Person. Ganz ähnlich arbeitet Claudia Müller-Zetzschke @wildblumenerleben und legt dabei ihren Schwerpunkt auf den Prozess mit den Trauernden.
Sebastian Conrad @hautejardin gab einen sehr persönlichen und berührenden Einblick in die selbst gestaltete Abschiedsfeier und die Abschiedsblumen für seinen Vater. Dabei musste er sich auch mit den Fragen auseinandersetzen, wie eine Bestattung überhaupt abläuft und wie er selbst mit dem Tod umgeht. Vor diesen Fragen stehen die Angehörigen oft plötzlich und unvorbereitet. Dazu empfahl er den Blog „kreiswärts“, der sich genau mit diesen Fragen beschäftigt.
Lisa Motullo @liebsteblumen machte deutlich, wie viel Plastik z.B. in Form von Steckschaum auf den Friedhöfen landet und dann nicht mehr richtig getrennt wird, sondern zum Teil mit den Blumen in den Kompostbehälter gelangt. Ihr Appell lautete daher: „Es ist wichtig, neue Bilder zu schaffen!“
Genau das machen wir als Slowflowerbewegung zum Beispiel in Zusammenarbeit mit Urnfold. Jeden letzten Freitag im Monat zeigen wir auf unserem Instagram Kanal eine Urnengestaltung, die eines unserer Mitglieder jeweils mit den Blumen der Saison gestaltet hat. Schaut gerne vorbei: @slowflowerbewegung!
Am 29.10.2025 prästentierte die AG nachhaltige und saisonale Abschiedsblumen und Gestaltungesmöglichkeiten bei der Fachtagung „Letzte Wege, neu gedacht“ auf dem Friedhof Ohlsdorf (Hamburg). Mit im Gepäck war auch der neue Flyer zu nachhaltigen Abschiedsblumen. Alle Mitglieder, die Trauerfloristik anbieten, können ihn nutzen um ihr Angebot etwa bei Bestattungsunternehmen bekannt zu machen.
Bunte Meile
Stell dir vor, du betrittst einen ehemaligen Heuboden! Doch statt Heuballen finden sich hier Eimer und Eimer gefüllt mit den schönsten Slowflowers, die der Oktober zu bieten hat. Sie verströmen einen wunderbaren Duft, der sich mit dem Geruch von Heu und frischen Kräutern vermischt. Durch die Dachluken fallen Sonnenstrahlen, die die tanzenden Staubkörnchen funkeln und glitzern lassen, hoch über den Köpfen von etwa hundert Blumenbegeisterten. Sie binden und winden Sträuße und Kränze, färben Stoffe und Bänder mit Pflanzenmaterial, fachsimpeln miteinander über Anbau, Sorten und Vermarktung und tauschen dabei neben Wissen, Tipps und Tricks auch Samen und Blumenzwieblen aus.
Ungefähr so verlief der Samstagnachmittag. Auf dem ehemaligen Heuboden von Schloss Neuenhof gab es Vorführungen, Infostände und Mitmachaktionen. Im Erdgeschoss gab es einen kleinen Bazar, bei dem einige Mitglieder Saat- und Pflanzgut oder auch Vasen und Kunsthandwerk intern zum Kauf anboten.

Bei Caroline Wolf @urwuechsig_caroline.wolf am Tisch entstanden natürliche Kranzunterlagen unter anderem aus Ranken und biegsamen Zweigen. Wer wollte konnte sich dann auf dieser Basis gleich noch einen herbstlichen Kranz binden. An der nächsten Station konnte mensch von Lisa Motullo @liebsteblumen lernen, wie schnell sich aus einem frischen Weidenzweig, Heu und Draht ein Heurömer herstellen lässt.

Auf dem Heuboden selbst stellte Carolin Haxel @weiden.kraenzchen Gestaltungs- und Geschenkideen mit Trockenblumen, wie zum Beispiel Bilderrahmen oder Flower Boards vor. Wie sie Brautsträuße nach der Hochzeit konserviert und damit nochmal ein besonderes Erinnerungsstück an den Tag der Hochzeit für die Paare gestaltet, zeigte sie außerdem. Sigrid Paravac @rupfn.by.sigrid hatte eine große Auswahl an besonderen Dahlien mitgebracht, die sich die Dahlienverrückten unter den Mitgliedern live und in Farbe anschauen (und auch gleich für die nächste Saison vormerken) konnten.
Sebastian Conrad @hautejardin gestaltete einen winterlichen Brautstrauß aus Efeu, Samenständen und immergrünen Zweigen. Peggy Giertz @biozuechtergarten band einen Strauß aus Trockenblumen.
Marie Cramer @blumenworkshop gab eine kleine Einführung in den Pflanzendruck (Eco-Printing). Dabei werden entschlichtete und gebeizte Stoffe mit Blüten und Blättern bedruckt. Das Material wird wie gewünscht auf dem Stoff verteilt, dieser wird mit einem weiteren Stoff abgedeckt und dann fest zusammen gewickelt. Im heißen Wasserdampf übertragen sich die Farbe und die Form der Blüten und Blätter auf den Stoff und es entstehen überraschend detailreiche Muster.


Auch Kathrin Glinicki @windauswesten und Christin Ziebarth @karmabouquet brachten Slowflowers und Textilien zusammen. An ihrem Tisch konnten Interessierte Stoffbänder mit Pflanzenmaterialien wie Brombeeren, Beinwell oder den Blüten des Färbermädchenauges einfärben. Je nach Beize bzw. Vorbehandlung der Bänder und dem verwendeten Pflanzenmaterial fielen die Farbtöne und die Intensität zum Teil sehr unterschiedlich aus. Die gefärbten Bänder trockneten dann draußen vor dem Heuboden in der Oktobersonne und leuchteten mit dem bunten Herbstlaub um die Wette.



Impuls Flowers From The Farm oder Schönheit, die die Welt rettet
Gerade noch auf den Bänken im Heuboden gesessen, schon stehen wir alle auf und hören uns sagen: “Ich darf mit den Blumen, die ich anbaue, einen sehr guten Lebensunterhalt verdienen!”
Zwischen Seriosität und Schönheit liegen für Georgie Newbery, die für uns aus England angereist ist um einen Vortrag zu den englischen Bewegung und dem Schnittblumenabau zu halten keine Welten. Als Slowflower-Expertin und langjährige Blumenfarmerin ist sie bei “Flowers from the Farm” vor allem für den Ethos und alle Werten zuständig, die aktiv nach außen getragen werden. Für Georgie ganz klar: “Egal ob auf kleiner Gartenfläche oder riesigen Feldern, wir als Schnittblumenfarmer*innen und Gärtner*innen retten den Planeten, mit jeder Blume ein Stück mehr.”
Was groß wirkt, ist auch genau so: Die laut ihr genannten “Pollen Days” — also die Zeit in der die Blumen auf den Feldern blühen und so für Insekten zur Nahrung zur Verfügung stehen, bevor sie geerntet werden — haben eine immense Auswirkung auf die Diversität und natürlich den Erhalt der lokalen Fauna. Dazu gehört auch das Bodenleben mit zahlreichen Mikroorganismen. Was die Flora betrifft, liegt diese ja in unseren eigenen Händen. Welche wir auch immer anbauen mögen.

Als Gedankenexperiment:
Eine einzige Kosmee bildet in geschätzt etwa 100 bis 200 Blüten in einer guten Saison.
Nimmt man davon 30 Planzen auf einem Feld und rechnet man mit 200 offenen Blüten ergibt das 6000 Blüten, die Pollen für Insekten in der Zeit in der sie offen stehen bereitstellen. Und das mit nur einer Pflanzengattung!
Gleichzeitig ist die Ernsthaftigkeit nachhaltig zu agieren ein Grundbestandteil des Impulsvortrages. Mit allen Säulen der Nachhaltigkeit im Blick!
Ökologisch (Der organische, zyklenhafte Anbau) / Ökonomisch (Der gute Lebensunterhalt) / Sozial (Förderung durch lokale Gemeinschaft). Kraftvoll und mit unmittelbarer Dringlichkeit weist Georgie mehrfach darauf hin. “Es ist sehr wichtig, sich zu erlauben mit Schnittblumen seinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen”.
Vor allem weil oft das eigene Umfeld und die Gesellschaft Blumenfarmen und auch die Floristik als frivol und nebensächlich ansieht, meint Georgie. Doch genau wie “Flowers from the Farm”, der englischen Bewegung, zeigen wir als Mitglieder der Slowflowerbewegung, dass es ein seriöser und sehr schöner, Beruf ist - der gleichzeitig die Umwelt fördert, mit jeder weiteren Blume ein weiteres Stück.

Podiumscollage Wir sind die Bewegung
Auf der kleinen Bühne im Heuboden des Schlosses spielt sich eine besondere Diskussion ab:
eine “Podiumscollage” von zwei Gründungsmitgliedern und dem ehemaligen Vorstand Chantal Remmert und Peggy Giertz, einem Neumitglied Christina Stehr sowie zwei aus dem aktuellen Vorstand: Caroline Wolf und Sebastian Conrad. Moderiert von Alexandra Kiefer, die einen Rahmen für die Gespräche absteckt: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Was zunächst nach ernster Sache klingt, entpuppt sich als bunter, reger Gedankenaustausch zu genau dem, was wir als Bewegung sind. Vielseitig, Mutig, in Bewegung — mit Geschichten aus der Gründungszeit in einem Wohnzimmer zu der aktuellen Gemeinschaft aus über vierhundert Gleichgesinnten, zu den aktuellen Wegen die wir als Slowflowerbewegung sehen und gehen, hin zu einer gemeinsamen Zukunft und den Herausforderungen und Bedürfnissen die eine große, leidenschaftliche Bewegung mit sich bringt.
Diskutiert werden neben den schönen Anekdoten, unsere gemeinsamen Visionen und Punkte, aus unterschiedlichen Perspektiven. Manche Themen spiegeln sich aus dem Impulsvortrag von Georgie, andere beziehen sich auf die Punkte aus der offiziellen Mitgliederversammlung. Klar wird: Die Mischung ist genau das, was uns Zugkraft gibt.
Mit der Aufforderung der Zuhörenden, sich selbst zu einzelnen Punkten Gedanken zu machen und in kleinen Gruppen zu diskutieren, entsteht unter der Anleitung von Alexandra, eine an die Wand geworfene Collage aus Wünschen, Bedürfnissen und Impulsen. Schriftlich veranschaulicht auf bunten Zetteln bilden sich Inspirationen und Gedankenansätze, aus denen nun neues Wachsen darf.




Danksagungen
Zu jedem tollen Fest und Treffen gehören sehr viele Menschen, die es zu genau diesem werden lassen. Viele Gedanken, Vorbereitung, langfristige Planung und Arbeit vor Ort sind in das Herbsttreffen 2025 geflossen. Dafür sagen wir von Herzen Danke:
- unseren Gastgebern Gabriel und Camilla von den Bussche, die uns sehr warm und herzlich begrüßt und uns viele Freiheiten auf ihrem Privatgrundstück gelassen haben. Wir freuen uns auf weitere Begegnungen zwischen der Slowflower-Bewegung und Schloss Neuenhof in der Zukunft! (vielleicht ja eine neue Slowflower Residency in 2026?)
- unseren Küchenfeen Conny & Team, die dafür gesorgt haben, dass wir das Treffen alle genießen konnten.
- Daniela & Team von Veggie Catering für das leckere Essen und dem MK Verleih Lüdenscheid und Livesound Music, die den Heuboden zu einem passenden Versammlungs-Ort gemacht haben,
- natürlich unserem Gast Georgie Newbery von Flowers From The Farm - es war uns eine Ehre!
- der kompletten Orga-AG, ohne die nichts von all dem irgendwie passiert wäre. Ihr seid die Wucht, danke danke danke!
- dem Verein für die Zuzahlungen und die Realisierung des Herbsttreffens - yeah!
- allen, die da waren, und das Herbsttreffen zu dem gemacht haben, was es sein soll und wieder war: ein blumiger, inspirierender und warmherziger Austausch.
Auf unsere nächsten großen Treffen in 2026!


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