Als wir unseren ersten SLOWFLOWERLETTER gestaltet haben, war sofort klar: Es braucht aktuelle, saisonale floristische Techniken und Ideen, die unsere Slowflowers zelebrieren und auch zeigen, was es für eine bunte Vielfalt an Möglichkeiten gibt. Etwas später war eine eigene Kategorie geschaffen: die Slowflowerwerkstatt. Doch für unseren Newsletter sprengte sie den Rahmen: 

Ein ganzer Blog durfte also her, der neben der #slowflowerwerkstatt noch viele weitere Themen behandelt, die in ihrer Kurzform durch unsere Newsletter wachsen.

Gerade kurz vor Valentinstag fluten Rosen, Tulpen, Anemonen und viele andere verlockende Blüten unsere sozialen Kanäle. Exoten, chemisch gebleichte und gefärbte Trockenblumen, mit Sprühfarbe und Glitzer verschönert. Wunderbare Gestaltungen auf Instagram wecken die Frühlingsgefühle. Doch saisonal oder naturhaft sind sie nicht.

Auch wenn die Idee des Frühlings uns animiert, uns Farbe in unser Zuhause zu holen, sieht es in der Natur in Wirklichkeit gerade anders aus. In unseren Gärten und Farmen spitzen die Geophyten, also Pflanzen, die mit Hilfe von Speicherorganen den Winter überdauern, gerade so aus der Erde: Erste Schneeglöckchen, Märzenbecher und Traubenhyzinten schälen sich vereinzelt aus abgefallenem Laub. Wer Gewächshäuser besitzt, hat vielleicht schon ein paar Zentimeter mehr Grün und manch Feld schmückt hier und da eine erste Anemone.

In den Gärten herrscht ansonsten noch Ruhe, zumindest fast.

Photo: Sebastian Conrad @hautejardin

Genau jetzt, wenn es bereits unter den Fingern kribbelt und unsere Gemüter sich nach frischen Blumen, Farbe und Frühling sehnen, gibt es ganz besondere, oft unterschätzte Schätze: Die Lenzrose steht ihrer Namensschwester in Schönheit und Sortenvielfalt in nichts nach und ist eine der ersten Nektar- und Pollenquellen für Insekten. 

Ihre Vielfalt lässt sich auch in der Floristik spiegeln und so haben wir für euch etwas Besonderes: Wir tauchen in den saisonalen Luxus und lassen uns auf das ein, was im Frühjahr tatsächlich als erstes in unseren Gärten steht. Helleborus sp. in all ihrer Pracht. Bevor wir aber mit dem Kranz loslegen, braucht es ein paar dieser Prachtexemplare.

„Aber eignen sie sich überhaupt zum Schnitt?”

Mit ganz einfachen floristischen Ticks, sind sie eine Schau, ob einzeln in der Vase oder in einem üppigen Blütenkranz, wie aus der #slowflowerwerkstatt. So halten sie besonders lang:

  • Trick 01 — Hellebori direkt nach dem Schnitt zur Ernte in einen vollen Eimer Wasser geben. Dadurch, dass sie durch ihre Zellmembran an jeder Stelle Wasser aufnehmen können, saugen sie sich voll. Lass sie ruhig einige Stunden im Wasser.
  • Trick 02 — Ernte die Hellebori, die schon mehrere offene Blüten an einem Stil tragen oder welche, die bereits bestäubt wurden, denn sie halten von Haus aus besser. Das lässt sich daran erkennen, dass die Staubgefäße, bei älteren Exemplare, breit ausgefächert in den Blüten stehen, oder schon ganz herabgefallen sind (Bild Mittelalte / Alte Blüte) . Nach einer Bestäubung verändert sich sich die Blütenfarbe und sie fühlen sich ledrig an. Für junge Blüten  (Bild Junge Blüte) schau gerne auf den nächsten Trick.
Junge Blüte
Mittelalte Blüte
Alte Blüte
  • Trick 03 — Schneide die Hellebori mit einer scharfen Schere oder einem Messer etwa im 45 Grad Winkel an. Halte die Enden für max. zehn Sekunden in einmal aufgekochtes Wasser. Da Hellebori stark respirieren, ziehen sie nach dem Ernten oftmals Luft. Diese blockiert die Leitungsbahnen und lässt sie schlappen.

Nachdem du sie versorgt hast, geht es an die Gestaltung:

Andrea von @naturalgarten hat uns einen Kranz mit ihren besonderen Gartenschätzen gestaltet. Die technische Idee stammt von Catrin Seidl @blyh. Vielen Dank euch beiden!

Für einen Blütenkranz brauchst du:

  • Etwa 25 Helleborusblüten
  • Eine Handvoll Orchideenröhrchen
  • Etwas Juteschnur
  • Einen Metall- oder Holzring (Durchmesser 20cm oder 25cm )
  • Eine Handvoll frischer Äste deiner Wahl — besonders geeignet sind weiche Gehölze wie Birken, Erlen oder Haseln. Alternativ kannst du auch Ranken, wie Clematis oder Knöterich, dafür nutzen.

Und so geht’s:

01

Auf einem Metall- oder Holzring werden mit Wasser gefüllte Orchichdeenröhrchen mit Jute aufgebunden.

02

Nach und nach werden Äste und Zweige, bei Wunsch auch Grün, dazwischen gewunden.

03

Neue Röhrchen nach und nach hinzufügen.

04

Zuletzt die Röhrchen mit Helleborus füllen und gegebenenfalls nochmal Wasser nachfüllen.

Wissenswert: Mit Spritzfaschen, die oft in Laboren zum Einsatz kommen und gebogene Spritzaufsätze haben, lassen sich die Röhrchen optimal in ihrer endgültigen Position mit Wasser auffüllen: Entweder nach dem Winden oder um Wasser nach ein bis zwei Tagen aufzufüllen.

Andrea hat in ihrer Kranzinterpretation noch Lavendel als saisonales Grün mit hineingebunden.

Alternativ eignen sich auch Kranzspiere, zarte Efeuranken oder Blätter der Elfenblume (Epimedium sp.). Lass deiner Kreativität gerne freien Lauf!

Der Blütenkranz steht an einem vor Regen und Wind geschützten Ort.

Willst du deinen Blütenkranz bei dir in den eigenen vier Wänden bestaunen, dann sprüh die Helleboren regelmäßig mit einer Pflanzensprühflasche an, um die Blüten vor der trockenen Wohnraumluft zu schützen und dich lange an ihrer Pracht zu erfreuen.

Hast du Lust, dir die ersten Frühjahrsschätze in den Garten zu holen, dann schau gerne hier (in diesem Blogeintrag) vorbei! Dort klärt Expertin Miriam Sablowski, wie man Helleborus sp. anbaut, was es für fantastische Sorten zur Auswahl gibt und warum sie Christrose, Lenzrose oder Nießwurz heißen.

Wir wünschen dir ganz viel Spaß beim Nachgestalten. Wenn du Lust hast, dann zeig uns deine Kreation und verlinke sie gerne auf den sozialen Medien mit #slowflowerwerkstattwerke. Verlinke gerne auch unseren Account @slowflowerbewegung. Frohes Schaffen!

Folgende Sorten findest du übrigens in diesem #slowflowerwerkstatt-Kranz: Aus der Reihe ICE N´ROSES© in Sorten „EARLY ROSE” / „ROSE” / „FROSTED ROSE”, sowie Helleborus „Chamelot”. 


Text: Sebastian Conrad @hautejardin. Danke, dass du dein Wissen mit uns teilst!