Arjen von der Gärtnerei Huese hat sich einer ganz besonderen Schnittblume gewidmet: der großblütigen Chrysantheme. Er ist Ansprechpartner für alles rund um das Thema - von Stützgerüst bis Stecklingsvermehrung und Überwinterung. Im Online-Shop der Gärtnerei gibt es hochwertige Bio-Pflanzen und -Stecklinge, mit denen die wunderbare Pracht ganz schnell in den eigenen Garten einziehen kann.

In diesem Blogartikel teilt er mit uns, wie die Herbstschönheiten im Beet oder Kübel angebaut werden.

Vielen Dank Arjen, dass du dein Wissen mit uns teilst!

1. Einleitung – Wenn der Herbst in Flammen steht

Wenn der Garten langsam in goldene Farben taucht und viele Sommerblüh- er schon müde werden, beginnt für die großblütigen Chrysanthemen die große Bühne. Keine andere Pflanze schenkt uns so majestätische Blüten im September, Oktober und sogar bis in den November hinein – mal seidig rund, mal fein geschlitzt, immer leuchtend, immer elegant.

Diese edlen Sorten, oft als „Heirloom Mums“ oder „Ausstellungs- Chrysanthemen“ bekannt, sind keine robusten Dauerbewohner des Gartens, sondern werden jedes Jahr neu kultiviert – ähnlich wie Dahlien. Sie danken diese Aufmerksamkeit mit spektakulären Blüten, die im Beet ebenso beein- drucken wie in der Vase.

In dieser Anleitung erfahren Sie, wie Sie aus kleinen, bewurzelten Stecklingen kräftige Pflanzen ziehen, die im Herbst das Glanzlicht Ihres Gartens oder Ihres Pflückfelds werden.

2. Wenn die Jungpflanzen ankommen – ein herzliches Willkommen

Im Frühling, wenn die Tage wieder länger werden, erhalten Sie Ihre kleinen, bereits bewurzelten Stecklinge. Sie stecken voller Energie und warten nur darauf, Wurzeln zu schlagen und kräftige Triebe zu bilden.

So starten Sie richtig:

  • Packen Sie die Pflanzen sofort nach Ankunft aus, damit sie wieder atmen können.
  • Setzen Sie jeden Steckling in einen 9-cm-Topf mit lockerer, hoch- wertiger Blumenerde.
  • Gießen Sie vorsichtig an – die Erde soll gleichmäßig feucht, aber niemals nass sein.
  • In den ersten Tagen stehen die Pflanzen gerne hell, aber geschützt: im Haus, im Gewächshaus oder an einem milden Fensterplatz.

Nach ein bis zwei Wochen haben sich die Stecklinge eingelebt und können abgehärtet werden – also tagsüber ins Freie, nachts noch geschützt. Wenn keine Frostgefahr mehr besteht, dürfen sie end- gültig umziehen: ins Beet, ins Freiland oder in große Kübel.

3. Standort und Boden – Sonne, Schutz und gute Erde

Chrysanthemen lieben das Licht! Ein sonniger Platz mit mindestens fünf bis sechs Stunden direkter Sonne täglich sorgt für kräftige Triebe und große Blüten. Wind mögen sie nicht so gern – ein leicht geschützter Standort, etwa an einer Hauswand oder Hecke, ist ideal.

Der Boden sollte nährstoffreich und gut durchlässig sein. Zu schwere Erde (z. B. Lehm) verbessert man am besten mit Sand oder feinem Kies. Wenn Sie in Töpfen pflanzen, nutzen Sie hochwertige, strukturstabile Blumenerde mit etwas Kompost oder Langzeitdünger.

Bevor Sie pflanzen, lockern Sie die Erde gründlich und arbeiten Sie etwas reifen Kompost ein – das ist wie ein Frühstück für Ihre Pflanzen.

4. Pflanzen und Aufbauen – der Weg zur Blütenpracht

Zeitpunkt

Sobald der Frühling stabil ist und keine Nachtfröste mehr drohen (meist Mitte Mai), dürfen die Chrysanthemen ins Freie.

Abstand & Pflanztiefe

Pflanzen Sie sie 30–40 cm voneinander entfernt, damit sie sich gut entfalten können. Setzen Sie sie so tief, wie sie im Topf standen, und gießen Sie kräftig an.

Kübelpflanzung

Auch auf Balkon oder Terrasse fühlen sich diese Schönheiten wohl. Wählen Sie Töpfe von mindestens 30 cm Durchmesser und achten Sie auf gute Draina- ge – Staunässe mögen sie gar nicht.

5. Pflege – mit Liebe, Wasser und ein bisschen Geduld

Gießen

Chrysanthemen trinken gern – besonders im Sommer, wenn sie kräftig wachsen. Die Erde sollte gleichmäßig feucht bleiben, darf aber nie „im Wasser stehen“. Gießen Sie am besten morgens, damit die Blätter über den Tag abtrocknen können.

Düngen

Von Mai bis August dürfen die Pflanzen regelmäßig gefüttert werden. Verwenden Sie einen ausgeglichenen Flüssigdünger alle zwei Wochen.
Wenn sich die ersten Knospen zeigen, wechseln Sie auf einen Blütendünger mit weniger Stickstoff und mehr Kalium – das stärkt die Blüten und lässt sie leuchten.

Pinzieren – für Fülle und viele Blüten

Sobald die jungen Pflanzen etwa 15–20 cm hoch sind, knipsen Sie die Triebspitze ab. Keine Sorge – das tut ihnen gut! Dadurch verzweigen sie sich und bilden viele kräftige Blütenstiele.

Stützen

Ab Sommer lohnt es sich, die Pflanzen leicht zu stützen – z. B. mit Bambusstäben oder Pflanzringen. So bleiben sie auch bei Wind und Regen in Form. Auf Blumenfeldern werden meistens Netze benutzt, die meisten Sorten brauchen nur einen Netz, aber richtig hohe Sorten brauchen zwei Netze über einander.

6. Einzelblüte oder Spray – Sie haben es in der Hand

Die meisten Sorten bilden mehrere Blütenknospen an einem Stiel: eine Hauptknospe und mehrere Seitenknospen. Wenn Sie sie alle stehen lassen, kommt die Hauptknospe oft ins Bedrängnis, oder die Seitenknospen wach- sen über die Hauptknospe hinaus. Deswegen sollten Sie sich entscheiden: für entweder eine meist richtig große Einzelblüte oder einen Spray: drei bis fünf kleinere Blüten wie in einem kleinen Strauß. Bei den beliebten Chrysan- themenausstellungen in England werden immer Stiele mit Einzelblüten ge- zeigt - geschnitten, gestützt und gepflegt zur Perfektion.

Für Einzelblüten nimmt man alle Seitenknospen weg (ausgeizen), so wie Sie es vielleicht auch von der Tomatenkultur kennen. So entfaltet sich nur die Hauptknospe mit aller Energie, die der Stiel hergibt.

Wer lieber eine Spray-Chrysantheme haben möchte, schneidet die Haupt- knospe heraus, sobald sie etwa einen halben Zentimeter im Durchmesser hat. Wenn die Sorte sehr viele Seitenknospen bildet, können Sie da auch noch welche wegnehmen, bis drei bis fünf übrig bleiben.

7. Die Krönung – Blütezeit im Herbst

Nun beginnt das große Schauspiel:

Frühe Sorten öffnen ihre Blüten bereits im September und leuchten neben Dahlien und Astern.

Mittlere Sorten übernehmen im Oktober das Zepter – genau dann, wenn die meisten Beete schon ruhiger werden.

Späte Sorten bringen noch im November Farbe in Garten und Pflückfeld – manchmal bis zum ersten Frost. Für späte Sorten in raueren Lagen empfiehlt sich den Anbau in einem Gewächshaus oder einem Tunnel.

Damit die Blüten perfekt ausreifen, brauchen die Pflanzen lange Nächte und viel Sonne am Tag. Achten Sie darauf, dass kein künstliches Licht (z. B. Straßenlaternen) sie in der Dunkelphase stört – Chrysanthemen sind echte „Kurztagpflanzen“.

Verblühtes regelmäßig entfernen – das hält die Pflanzen in Schwung und verlängert die Blütezeit.

8. Für Schnittblumen-Fans und Pflückfelder

Chrysanthemen gehören zu den langlebigsten Schnittblumen überhaupt – in der Vase halten sie oft zwei Wochen oder län- ger.
Schneiden Sie am besten am frühen Morgen oder späten Abend, wenn die Pflanzen prall mit Wasser sind.

Für Pflückfelder sind diese Sorten ein Traum: Sie bringen zuver- lässig große, eindrucksvolle Blüten, wenn andere Sommerblu- men längst verblüht sind. Durch die Staffelung von frühen, mittleren und späten Sorten bleibt Ihr Feld über drei Monate blühend und erntefrisch.

9. Nach der Blüte – was tun im Winter?

Diese großblütigen Sorten sind nicht winterhart. Sobald die Tempera- tur unter -3 Grad fällt, endet ihre Saison. Ein bisschen Raureif stecken die meisten Sorten aber gut weg.

Wer mag, kann einige kräftige Pflanzen in Kübeln frostfrei und hell überwintern (z. B. im Gewächshaus oder Wintergarten). Die Erde nur leicht feucht halten.

In der Regel werden sie jedoch jedes Jahr neu gezogen – im Frühjahr starten Sie wieder mit frischen, bewurzelten Stecklingen.

Das klingt nach Aufwand? Keineswegs – es ist der Zauber des Neube- ginns: Jedes Jahr neue Farben, neue Formen, neue Freude.

10. Fazit – Ein Fest der Farben

Großblütige Chrysanthemen sind die Krönung des Gartenjahres. Sie verlängern den Sommer, bringen Glanz in graue Tage und zaubern selbst im Nebelmonat November ein Lächeln ins Gesicht.

Ob als stolze Einzelblüte im Beet, in der Vase auf dem Tisch oder als letzte Farboase auf dem Pflückfeld – sie sind die Königinnen des Spätherbstes.
Mit etwas Liebe, regelmäßiger Pflege und dem richtigen Standort danken sie es Ihnen mit Wochen voller Blütenpracht.